Angst und Einsamkeit

Posted by Nelli Thu, 11 Feb 2010 12:29:00 GMT

Erstmal muss ich zugeben: Hier habe ich tatsächlich den Film gesehen, bevor ich mir dann das Buch "Tannöd" von Andrea Maria Schenkel gekauft habe. Und da ich den Film sehr gut fand, ist natürlich auch mein Eindruck vom Buch davon beeinflusst.

Beide Eindrücke passen aber sehr gut zusammen.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Auf einem abgelegenen Bauernhof werden sechs Menschen brutal ermordet, eine Familie samt Magd. Im Buch erzählen verschiedene Personen, wie es zur Entdeckung des Mordes kam, charakterisieren die ermordete Familie und berichten über die Lebensumstände im Dorf.

Das Buch ist knapp 200 Seiten lang, man hat es also schnell durch. Und was bleibt ist der anhaltende Eindruck von Beklemmung, Angst und Einsamkeit.

Das Erschreckende ist nicht der Mord. Das Erschreckende sind die Lebensumstände auf dem Bauernhof, das Gefühl der Menschen, allein mit ihrer Schuld zu sein, diese zu verdrängen, es aber in ihrer Einsamkeit nicht zu schaffen.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Allerdings ist es eher eine Milieustudie als ein Krimi. Und man liest es besser in der Stadt :-)

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Die Welt des Thrillers in drei Bänden

Posted by Nelli Wed, 20 Jan 2010 11:20:00 GMT

Es gibt Bücher, die finden alle toll. Und dann liest man eins und denkt sich: "Hm, na ja, nicht ganz so mein Ding, aber ich verstehe, warum es so gehypt wird". Es gibt aber auch Bücher, die finden alle toll, und wenn man so eins liest, steht man vor einem Rätsel.

So geht's mir bei "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" von Stieg Larsson.

Wenn man die Rezensionen auf Amazon liest, denkt man, man hätte den Thriller des Jahrhunderts vor sich. Mehrere Bekannte von mir waren auch restlos begeistert, was darin mündete, dass ich die drei Bücher zu Weihnachten geschenkt bekam. Es hört sich ja auch alles ganz nett an: Ein engagierter Journalist von einwandfreier Arbeitsmoral (und ein Womanizer noch dazu); eine verschlossene und etwas asoziale Computerhackerin, gepierct und tätowiert, keine Schönheit, aber dennoch irgendwie anziehend für alle möglichen Leute (Mann wie Frau); ein Konzernpatriarch, hart, aber in den Tiefen seines Herzens ehrlich und gerecht; ein böser, korrupter Konzernchef; ein Serienkiller, der Frauen im Zusammenhang mit Bibelzitaten ermordet... Kommt einem was bekannt vor?

Jepp, genau das ist das Problem: Irgendwie hat man das alles irgendwo schon mal gelesen. Vielleicht nicht alles in einem Buch und vielleicht nicht immer in der gleichen Konstellation, aber dennoch. Es war restlos alles, Story sowie Figuren, irgendwie schon mal da. In Buch, Serie oder Film. Hat da Herr Larsson auf TV Tropes gespickt?

Die Begeisterungsstürme kann ich mir nur so erklären, dass die Leute eigentlich noch nie einen Thriller in der Hand hatten oder dass für sie all die bekannten Teile neu erscheinen, weil sie jetzt ja in Schweden aneinandergereiht werden und nicht in den USA.

Klar könnte man einwenden, es gibt halt nur eine begrenzte Anzahl von Plotkonstellationen. Ja, sicher, aber man könnte ja schon ein wenig an den Details basteln. Wenigstens ein bisschen was Neues, Originelles dazupacken. Auch wenn es nur die Haarfarbe der Hackerin wäre.

In einem gewissen Sinne IST es tatsächlich der Thriller des Jahrhunderts, oder vielmehr: DIE Thriller, sauber zusammengeschnitten.

Wer sich also in der Welt des Thrillers nicht so gut auskennt und sich auf einen Schlag ein solides Grundwissen verschaffen möchte, dem sei die Trilogie herzlich empfohlen. Für die anderen: Ihr kennt das alles schon. Also lasst es. Aber wenn ihr wiederum eine Zusammenfassung der Thriller der letzten, sagen wir mal 30 Jahre, in drei Bänden haben wollt: Nur zu.

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Sweet Dreams

Posted by Nelli Sat, 22 Aug 2009 22:29:00 GMT

Nach langer Zeit, in der ich wenig geschrieben, aber sehr viel gelesen habe, möchte ich euch ein ganz besonderes Buch ans Herz legen, genau genommen ganze zehn Bücher. Es handelt sich dabei um die Sandman-Serie von Neil Gaiman. Ich linke in diesem Fall absichtlich auf die Übersichtsseite, weil man die einzelnen Bücher am besten als Gesamtheit betrachtet. Ich neige sowieso dazu, alles von Gaiman zu vergöttern (Zu Recht!!! Jawohl!), aber bei diesen Büchern mache ich das noch mehr als sonst. Zum einen sind das nicht einfach Romane, sondern Graphic Novels - zu Gaimans großartiger Sprache und Sinn für Geschichten kommen die Zeichnungen verschiedener (verdammt... deutsches Wort, deutsches Wort, na gut...) Artists.

Aber der Reihe nach: Jedes Buch enthält eine oder auch mehrere Geschichten, der Protagonist, der sich durch alle Bände zieht, ist Dream, oder Morpheus, der Herr des Traumreiches und die Inkarnation des Prinzips der Träume. Es gibt eine Hauptgeschichte, aber viele der Stories sind auch um sie herum aufgebaut. Gaiman selbst fasst die Handlung wie folgt zusammen: "The Lord of Dreams learns that one must change or die, and makes his decision." Dazwischen gilt es, Probleme im Reich der Träume zu lösen, Familienprobleme mit Morpheus' Geschwistern Destiny, Death, Destruction, Desire, Despair und Delirium auszudiskutieren und diverse Todesfälle lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten.

Eine Besonderheit, die in Gaimans Werken immer wieder vorkommt, ist, dass verschiedene Personen aus der Geschichte, der Mythologie, aber auch aus der Popkultur auftauchen. Klingt auf den ersten Blick unpassend, ist es aber nicht: Bei "Sandman" finden Shakespeare und die Muse Calliope mühelos neben dem Martian Manhunter Platz.

Die Geschichten selbst sind sehr tiefgründig und haben nichts mit dem zu tun, was man in Deutschland gemeinhin unter Comics versteht - es sind eben Graphic Novels. Liebe, Gewalt, Wahnsinn, Verzweiflung und Freude liegen darin nah bei einander und werden auch in den Zeichnungen nicht ausgeblendet. Es macht Sinn, die Serie auf Englisch zu lesen, man merkt, wie unglaublich gut Gaiman mit Genre der Graphic Novel umgehen kann. Ich habe "Sandman" auch auf Englisch gelesen und kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Übersetzung gleichwertig sein kann.

So, ich hoffe, ich habe jemanden mit einem meiner absoluten Lieblingsbücher angefixt.

Gute Nacht... und schöne Träume.

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Gefährliche Buchstaben

Posted by Nelli Wed, 01 Apr 2009 07:13:00 GMT

Es hat schon Vorteile, PR für das Bundesfamilienministerium zu machen. Manchmal kommt es nämlich vor, dass man auch als studentische Hilfskraft in bestimmte Verteiler gerät und interessante E-Mails bekommt. Wie z.B. eine mit folgendem Anhang:

Anscheinend hat Frau von der Leyen vor, nach Videospielen auch Bücher unter Jugendschutz zu stellen. Man stelle sich nur vor, was "Grimms Märchen" in den falschen Händen anrichten könnten... Deswegen soll nun für bestimmte Bücher die Altersfreigabe ab 18 kommen. Ich glaube, die Welt wird verrückt... und ich gleich mit.

Update: Für alle, die sich das noch nicht selbst gedacht haben: April, April!

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Lispelnde Autoren und tiefe Dekolletés

Posted by Nelli Sun, 15 Mar 2009 18:03:00 GMT

Endlich ist der Kater überstanden... Aber gestern auf der SPUTNIK Litpop in Leipzig gab es auch einiges zu trinken... Und zu hören. Und zu sehen...

Die Location - das Neue Rathaus in Leipzig - ist wirklich wunderschön und auch abseits von besonderen Veranstaltungen sehenswert. Und wenn ein schönes Gebäude auch noch mit Literatur kombiniert wird - wer könnte da widerstehen? :-) Als Gäste waren unter anderem Sarah Kuttner und Benjamin Lebert auf der Litpop, aber auch noch nicht so bekannte Autoren, wie z.B. Juleska Vonhagen, über deren Buch "Herzmist" ich letztens schon geschrieben habe.

Insgesamt war es ein sehr netter Abend. Einige Lesungen waren wirklich gut, andere eher unfreiwillig lustig. Tief beeindruckt hat mich ein sehr tiefes und betont weibliches Dekolleté, dessen Besitzer ich hier nicht namentlich erwähnen möchte. Merke: Wenn man auf einer leicht erhöhten Bühne im Sitzen vorliest, sollte man sich nicht auch noch nach vorne beugen. Es sei denn, Nipplegate gehört zum Programm. Außerdem sehr interessant war ein stark lispelnder Autor, dessen Aussprache die Bedeutung seiner Worte in den Hintergrund drängte. An seinen Namen erinnere ich mich, Schande über mein Haupt, nicht.

Die restlichen Lesungen waren aber wirklich unterhaltsam und insgesamt gut präsentiert.

Ernüchternd fand ich allerdings die Turboprop-Show, ein bisschen Talk und ein paar Spielchen mit Prominenten auf der Bühne. Kam irgendwie ziemlich lahm rüber und nach dem Trailer auf der Homepage hätte ich etwas Dynamischeres erwartet. Nun ja, vielleicht stand ich einfach zu weit hinten... :-)

Apropos stehen: Ein paar Sitzgelegenheiten mehr hätten nicht geschadet. Vor allem, wenn man den ganzen Abend auf 10-Zentimeter-Absätzen unterwegs ist. Na gut, selber Schuld. Die vielen Getränke milderten den Schmerz :-)

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