Posted by Nelli
Thu, 27 Mar 2008 16:03:21 GMT
Und jetzt kommt die versprochene Kritik zu "Die Tore der Welt" von Ken Follett.
Allgemein kann man dazu sagen, dass, wer "Die Säulen der Erde" mochte, auch "Die Tore der Welt" (oder auf Englisch: World without End - Wink mit dem Zaunpfahl auf den Titel der Kritik *g*) mögen wird. Das ist, kurz gefasst, sowohl das Positive als auch das Negative über dieses Buch.
Das sagt die Kurzbeschreibung bei Amazon:
Wir schreiben das Jahr 1327.
Am Tag nach Allerheiligen werden vier Kinder aus der Stadt Kingsbridge Zeugen eines Kampfes - und eines tödlichen Geheimnisses.
Caris, Tochter eines Wollhändlers und Nachkomme von Jack Builder, hat den Traum, Ärztin zu werden. Merthin, ein Nachfahre von Toms Stiefsohn Jack, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Gwenda, Kind eines Tagelöhners, will nur ihrer Liebe folgen. Und da ist noch Godwyn, Caris' Vetter, der entschlossen ist, Prior von Kingsbridge zu werden - um jeden Preis.
Stolz und Rache, Ehrgeiz und Liebe wird das Leben dieser Menschen bestimmen. Sie werden Reichtum und Armut, Krieg und Pest erleben. Und immer wird der Schwur sie verfolgen, den sie an jenem schicksalhaften Tag leisteten.
Das Gute ist, "Die Tore der Welt" ist spannend geschrieben, das Alltagsleben der Protagonisten ist sehr detailgenau und farbig beschrieben, die Charaktere sind interessant. Das Schlechte: Irgendwo hat man das alles schon mal gelesen. Richtig, in "Die Säulen der Erde". Die Charaktere sind ähnlich und bei jeder überraschenden Wendung der Geschichte ahnt man, wie es weitergeht. Die Geschichte ist nicht direkt berechenbar, aber es ist klar, worauf der Autor hinaus will, wenn man schon "Die Säulen der Erde" gelesen hat. Es ist ein bisschen so, als würde man "Die Säulen der Erde" nochmal lesen, nachdem das letzte Mal schon ein paar Jahre zurückliegt. Es macht Spaß, ist aber nicht mehr ganz so überraschend, wie beim ersten Mal.
Trotzdem kann ich das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Siehe die positiven Seiten :-) Überzeugt auch beim gefühlten zweiten Mal :-)
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Posted by Nelli
Mon, 04 Feb 2008 20:57:48 GMT
Ich bin durch! Genau einen Monat habe ich gebraucht, um "Das Lied von Eis und Feuer" durchzulesen. Jetzt bin ich mit den acht Bänden (auf Englisch sind es vier) durch und bin immer noch restlos begeistert.
Es ist schwer, den Inhalt kurz zu beschreiben. Es beginnt damit, dass Eddard Stark, Lord von Winterfell, an den Hof des Königs gerufen wird, um seine neue Hand (eine Art höchster Berater) zu werden. Der weitere Verlauf der Geschichte wird aus mehreren Perspektiven beschrieben, darunter Eddard, seiner Frau Catelyn, seinen beiden Töchtern Sansa und Arya und seinem unehelichen Sohn Jon. Später werden auch andere Personen zu Erzählern, andere verschwinden aus dem Fokus.
Obwohl es sich um Fantasy handelt, liest es sich ganz anders als die üblichen Vertreter dieses Genres. Keine Elfen, keine Zwerge, keine kreischenden Jungfrauen, die von heldenhaften Rittern gerettet werden. Dafür Intrigen, Machtkämpfe um den Thron und jede Menge Tote.
Zu den Kämpfen um Macht und Ansehen kommt eine Gefahr aus dem Norden des Landes hinzu. Hinter der Mauer, die diesen Teil des Reiches seit Tausenden von Jahren schützt, scheint sich etwas zusammenzubrauen. Und die Mauerwache ist auch nicht mehr das, was sie mal war...
Dadurch, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird, gibt es nicht die übliche Einteilung in Gut und Böse, alle haben ihre Motive, ihre Stärken und Schwächen, die der Leser im Laufe der Zeit kennenlernt. Meine Lieblingsfiguren sind ja Tyrion und später, als er zum Erzähler wird, auch Jaime, aber es ist für jeden was dabei.
Bei den Kritiken auf Amazon wurden immer wieder die angeblich so ausschweifenden Sex- und Gewaltszenen bemängelt. Klar, es gibt welche, aber ich fand keine von ihnen unpassend. Und wenn es um den Thron geht, fließt halt Blut und Verbündete gewinnt man manchmal am besten durch... tjaja... ;-)
"Das Lied von Eis und Feuer" liest sich auf jeden Fall unglaublich spannend. Ich konnte zwischendurch nicht aufhören, die schrecklichste Zeit, als ich es gelesen habe, war, als ich Band vier nicht sofort in der Buchhandlung kriegen konnte und zwei Tage warten musste... :-)
Übrigens, hier gibt es ziemlich schicke Bilder und Comics (sehr lustig, wenn man die betreffende Szene kennt) zu der Saga. Der Link ist zwar auch in der Wikipedia zu finden, aber ich war zu begeistert, um nicht auch darauf hinzuweisen :-)
Das Fiese ist jetzt, dass es auf Englisch noch drei (auf Deutsch dementsprechend noch sechs) Bücher geben soll, die aber auf sich warten lassen. Wie soll ich das nur schaffen???
Posted in Fantasy | Tags Das Erbe von Winterfell, Das Lied von Eis und Feuer, Der Thron der sieben Königreiche, Die dunkle Königin, Die Herren von Winterfell, Die Königin der Drachen, Die Saat des goldenen Löwen, George R. R. Martin, Kritik, Sturm der Schwerter, Zeit der Krähen | no comments
Posted by Nelli
Thu, 10 Jan 2008 23:21:19 GMT
George R. R. Martin hat mich gefangen genommen. Wie ich schon geschrieben habe, habe ich mit der Saga "Das Lied von Eis und Feuer" angefangen. Und seit den ersten Seiten des Bandes "Die Herren von Winterfell" komme ich davon nicht mehr los.
Es folgten "Das Erbe von Winterfell" und "Der Thron der sieben Königreiche". Lese mich jetzt gerade durch den vierten Band, "Die Saat des goldenen Löwen" und bin trotz der unglaublich hässlichen Cover, die von Band zu Band schlimmer werden, begeistert.
Okay, es ist mir etwas peinlich, das Buch in der U-Bahn zu lesen, weil vom Einband in grellen Farben ein blond-dauergewellter Conan-Verschnitt runterleuchtet, aber ich mache es trotzdem. Ist es nicht Beweis genug, wie gut das Buch ist??? :-)
Eine detailliertere Kritik der Saga folgt, wenn ich die restlichen bis jetzt erschienenen vier Bände gelesen habe, die da wären:
"Sturm der Schwerter"
"Die Königin der Drachen"
"Zeit der Krähen"
und
"Die dunkle Königin".
Die Cover verdienen in ihrer Grässlichkeit eigentlich ein eigenes Review.
Übrigens, insgesamt sollen es auf Deutsch 14 Bände werden (ein englischer Band wird immer in zwei deutsche aufgeteilt).
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Posted by Nelli
Sat, 29 Dec 2007 14:54:58 GMT
Die 49-jährige Immobilienmaklerin Laura lebt und arbeitet in Barcelona. Nur ein Handicap behindert ihre sonst erfolgreiche Karriere und macht ihr auch persönlich zu schaffen: Sie spricht kein Englisch. Fest entschlossen, die Sprache zu lernen, bucht sie im Internet einen Kurs bei Annie Grose. Der Intensivkurs soll in einem Landhaus in England stattfinden und einen Monat dauern. Ohne Referenzen über die Lehrerin einzuholen oder sie jemals persönlich getroffen zu haben macht sich Laura auf den Weg...
"Der englische Sommer" von Carme Riera beginnt ganz harmlos mit dem Wunsch einer Frau, endlich eine Bildungslücke loszuwerden, die sie ihr ganzes Leben lang gequält hat. Nach und nach jedoch bricht der Wahnsinn in die Realität. Das Buch erinnert an "Rebecca" von Daphne DuMaurier oder auch an Stephen Kings "Sie". Die Geschichte ist sehr spannend erzählt und man kann sich gut in Laura hineinversetzen, die das Geschehen aus der Retroperspektive erzählt.
Ein sehr spannender Thriller, allerdings hätten 30 Seiten mehr dem Buch nicht geschadet. Gegen Ende wirkt die Geschichte doch etwas kurz zusammengefasst.
Posted in Thriller / Psycho | Tags Carme Riera, Der englische Sommer, Kritik | no comments
Posted by Nelli
Fri, 28 Dec 2007 20:07:47 GMT
Sie schreibt leidenschaftliche Liebesbriefe an ihre Verehrer, die daraufhin ausbleiben. Sie will mehr vom Leben, als ihr ein kleines Dorf auf Sardinien in den 40er Jahren bieten kann. Und sie hört niemals auf, zu glauben, dass Liebe das Wichtigste im Leben ist.
"Die Frau im Mond" von Milena Agus ist die Biografie dieser Frau, erzählt von ihrer Enkelin.
Niemand im Dorf möchte etwas mit der als seltsam und geisteskrank verschrienen Frau etwas zu tun haben. Als sie nun schon nicht mehr die Jüngste ist, taucht 1943 ein Witwer in ihrem Dorf auf, auf der Suche nach einer Bleibe. Die Eltern nehmen den Mann bereitwillig auf, und kurz darauf hält er um die Hand der "verrückten" Tochter an. Ihre Enkelin erzählt den verlauf der Ehe zwischen den beiden und von einer Affäre, die die Großmutter wohl in einem Sanatorium hatte. Aber warum sah sie ihren Liebhaber nie wieder? Und was hat es mit dem Notizbuch auf sich, in das sie ihre Gedanken und Gedichte schreibt?
Am Ende werden diese Fragen geklärt - nicht so, wie man es erwartet. Auch wird man das Buch sicherlich mehrmals lesen müssen, um die Beziehungen zwischen den Personen richtig zu begreifen. Auf jeden Fall lohnt sich dieses Buch - ich hatte es an nur einem Abend durch.
Posted in Liebe | Tags Die Frau im Mond, Kritik, Milena Agus, Sardinien | no comments
Posted by Nelli
Tue, 27 Nov 2007 12:37:58 GMT
Es ist ein wunderschöner Morgen, die Sonne scheint, der Wind ist frisch und das Gras grün und saftig. Eigentlich ist alles so, wie es sich ein Schaf nur erträumen kann. Doch irgendwas ist falsch. Genau: Ist es normal, dass der Schäfer George Glenn mit einem Spaten im Bauch tot vor dem Schäferwagen liegt? Sowas kann jedem Schaf den Appetit verderben... Aber was ist geschehen?
In "Glennkill" von Leonie Swann versucht Georges Herde, diese Frage zu beantworten. Irgendjemand muss was gegen den Schäfer gehabt haben, aber wer? Hat Satan tatsächlich seine Seele geholt, wie der Dorfpfarrer sagt? Aber Satan, der Esel mit der durchdringenden Stimme, der auf der benachbarten Weide grast, tut so etwas doch nicht? Und warum sind all die Leute auf einmal hinter "dem Gras" her? Nett, dass die Menschen auch mal an was Vernünftiges denken, aber sich deswegen gleich umbringen? Es gibt doch ganze Wiesen voll davon!
Der Krimi aus der Sicht der Schafe ist sehr unterhaltsam und lebt davon, dass die Lebensphilosophie der Tiere auf die Welt der Menschen trifft. Man darf allerding von dem kriminalistischen Element in diesem Krimi nicht allzuviel erwarten. Wer das tut, wird von dem Ende enttäuscht werden. Es geht hauptsächlich darum, wie Schafe die Welt im allgemeinen und Menschen im besonderen sehen, die Aufklärung des Falles rückt dabei in den Hintergrund.
Eine spannend aufgezogene Krimigeschichte mit tausend Wendungen, wie beispielsweise "Felidae", ist es nicht, dafür aber leichte, witzige, sehr gut geschriebene Unterhaltung.
Posted in Humor, Krimi | Tags Glennkill, Kritik, Leonie Swann, Schafskrimi | no comments
Posted by Nelli
Tue, 27 Nov 2007 11:35:48 GMT
Heute schreibe ich mal über eins meiner Lieblingsbücher: Die "Das Alte Königreich"-Trilogie von Garth Nix. Die drei Bände heißen "Sabriel", "Lirael" und "Abhorsen".
Im Alten Königreich herrscht die Freie Magie. Tote erheben sich durch das Wirken von Nekromanten wieder zum Leben, gefährliche Kreaturen bedrohen die Menschen und das alte Königsgeschlecht ist seit 200 Jahren ausgestorben. Auf der anderen Seite der Mauer grenzt das Alte Königreich an Ancelstierre, einen Industriestaat, der an England Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert. Die einzigen Menschen, die dort etwas von Magie ahnen, sind die Grenzsoldaten, die aus Erfahrung lieber auf Schwert und Kettenhemd als auf Maschinengewehre vertrauen.
Sabriel ist die Tochter von Abhorsen, einem Magier im Alten Königreich, der dafür sorgt, dass die von Nekromanten beschworenen Toten wieder aus dem Reich der Lebenden verschwinden. Obwohl sie in Ancelstierre aufwächst, wird sie von ihrem Vater in den Gebrauch der Magie eingeführt. Als er verschwindet, überquert sie die Grenze zum Alten Königreich und macht sich auf die Suche nach ihm...
Das Besondere an diesem Buch ist zum einen, dass es ganz ohne die für Fantasy typischen Orks, Elfen und schier allmächtigen Magier auskommt. Magie besteht hier größtenteils aus Nekromantie (und eben deren Verhinderung) und später aus Vorhersagen über die Zukunft. Die einzelnen Personen haben immer nur sehr begrenzte Fähigkeiten und deswegen WIRKLICH Schwierigkeiten, ihre Aufgaben zu bewältigen. Dadurch erscheinen sie deutlich menschlicher und glaubwürdiger, als die meisten Personen in anderen Fantasy-Romanen.
Das Setting ist einfach großartig - die Verbindung zwischen Industriestaat und einem Land voller Magie schafft eine sehr interessante Atmosphäre.
Und natürlich die Figuren. Ich sage nur: Mogget :-) Wer das Buch liest, wird mich verstehen :-)
"Sabriel" ist zwar ein abgeschlossener Roman, aber die Fortsetzungen "Lirael" und "Abhorsen" führen die Geschichte weiter und runden sie ab, so dass ich unbedingt raten würde, alle drei zu lesen.
Die Trilogie ist jedem zu empfehlen, der Fantasy mal außerhalb der klassischen (um nicht zu sagen klischeehaften) Rahmen lesen möchte.
Posted in Fantasy | Tags Abhorsen, Das Alte Königreich, Garth Nix, Kritik, Lirael, Sabriel | no comments
Posted by Nelli
Sun, 18 Nov 2007 12:59:29 GMT
Und jetzt kommt, nachdem es schon im letzten "Buch zum Sonntag" aufgetaucht ist, eine Rezension zu "Schöne Scheine" von Terry Pratchett.
Feucht von Lipwig, bekannt aus "Ab die Post" hat ein Problem. Nachdem er Postminister geworden ist, läuft einfach alles super. Und er langweilt sich fast zu Tode, eine Redewendung, die wörtlich gemeint ist, denn Lipwig stürzt sich in waghalsige nächtliche Kletteraktionen und tritt sogar der Geheimgesellschaft der Extremnieser bei. Doch dann werden Lipwig Anteile an der Kreditbank von Ankh-Morpork vererbt, in deren Kellern längst keine einzige Goldmünze mehr zu finden ist. Lipwig gerät in einen Machtkampf zwischen den übergangegen Erben und hat nebenbei diverse andere Probleme zu lösen: Was tun, wenn der Bankdirektor ein Hund ist? Ist der Hauptkassierer wirklich ein Vampir? Und muss eine Währung wirklich auf Gold basieren?
Ein sehr lustiges Buch über die Finanzwelt von Ankh-Morpork, auch wenn die Stadt aus meiner Sicht langsam etwas zu geordnet wirkt. Andererseits hat Pratchett viele witzige neue Ideen (wie zum Beispiel Cosmos Bemühungen, zu Lord Vetinari zu werden und natürlich der Blupper), die das Buch tragen. Der Humor wird im Gegensatz zu den früheren Büchern hintergründiger, aber das sieht man eigentlich an vielen in letzter Zeit erschienenen Scheibnwelt-Romanen.
Kann ich auf jeden Fall empfehlen, aber lieber nicht als Einstieg in die Scheibenwelt, weil ziemlich oft auf frühere Ereignisse oder Personen angespielt wird, was auch einen großen Teil des Reizes ausmacht.
Posted in Fantasy, Humor | Tags Kritik, Making Money, Schöne Scheine, Scheibenwelt, Terry Pratchett | no comments
Posted by Nelli
Thu, 08 Nov 2007 18:55:38 GMT
"Ein mörderisches Spiel, ein rätselhafter Selbstmord und ein quälendes Geheimnis", sagt der Klappentext.
"LARP-Spiel wird Ernst, keiner weiß mehr, wer Jäger, wer Gejagter ist. Mehr weiß ich auch nicht. Besorg es dir und sag mal, wie es war", sagt mein Kumpel, durch das Berliner Fenster in der U-Bahn informiert.
Bei dem Buch handelt es sich um "Die 7. Stunde" von Elisabeth Herrmann. Ein LARP-Krimi. Natürlich habe ich es mir gekauft, als Krimi-Fan und Rollenspielerin. Aber, oh Schreck... Fangen wir mal mit dem Wichtigsten an.
"Man kann nicht über Live Acting Role Play schreiben, ohne es jemals selbst ausprobiert zu haben", schreibt die Autorin in der Danksagung. Sie scheint es jedoch auch nicht zu können, obwohl sie LARP nach eigenen Angaben ausprobiert hat. Ich habe beim LARP noch nie jemanden würfeln gesehen (es sei denn beim Saufen in der Taverne) und schon gar nicht mit einem 36-seitigen Würfel. Hermann sagt zwar explizit nie, dass beim LARP gewürfelt wird, aber was hat dann der besagte Würfel in der Szene verloren? Fragen über Fragen...
Aber Frau Herrmann scheint den Unterschied zwischen Pen-&-Paper-Rollenspiel und LARP sowieso nicht ganz verstanden zu haben. Und das mit den Regeln auch nicht so wirklich. Und das ist für einen Krimi, der den Anspruch erhebt, sich um LARP zu drehen, gar nicht gut. Herrmann bemüht wirklich jedes Rollenspiel-Klischee, auch wenn man ihr zu Gute halten muss, dass sie LARPer wenigstens als nette Irre beschreibt.
Auch wenn man Rollenspiele außer Betracht lässt, hat das Buch ziemliche Schwächen. Die Autorin hat Schwierigkeiten, sich ihre Figuren zu merken, ein Mädchen wird zum Beispiel am Anfang als braunhaarig beschrieben, streicht sich aber gegen Ende ständig durch "die blonden Strähnen". Die Zeitabfolge und die Daten sind teilweise schlichtweg falsch, die Szene in Prolog kann gar nicht am angegebenen Tag stattgefunden haben, weil die Hauptfigur da seit ungefähr einem Jahr tot ist. Der Ermittler ist nicht fähig, der Polizei gegenüber das Wort "Rollenspiel" zu verwenden und spricht statt dessen lieber ernsthaft von "schwarzen Königinnen" und "Vampiren", natürlich mit dem Ergebnis, dass er für verrückt gehalten wird. Aber sonst wäre das Buch ja viel zu schnell zu Ende und die Autorin käme nicht auf die erforderliche Seitenanzahl.
Sowieso wirkt das ganze Rollenspiel-Thema aufgesetzt und eher dazu gedacht, ältere Hausfrauen ein bisschen zu schocken.
Na ja, gut. Wer sich mit Rollenspiel auskennt und ein bisschen was zum Lachen haben will, soll sich das Buch kaufen. Wenn man keine Erwartungen hat, ist es durchaus amüsant.
P.S. Es heißt übrigens Live Action Role Playing und Pen-&-Paper-Rollenspiel.
Posted in Krimi | Tags Elisabeth Herrmann, Krimi, Kritik, LARP, Rollenspiel, Siebte Stunde | no comments